Swarms & Satellites

Laufzeit: 

22/09/2019 bis 15/11/2019

Öffnungszeiten: 

Dienstag - Freitag

14:00 - 19:00 Uhr

und nach Vereinbarung

Eröffnung: 

Samstag, 21. September 2019 - 18:00
Swarms & Satellites_Tautophone (c) esc mkl_Foto: Hochschuh und Donavan

Während SATELLITES zwei Psychophysik-Maschinen beinhaltet, welche Klang und die ungreifbaren Aspekte der Physik als Medium nutzen, um einen intimen Austausch zwischen robotischem und menschlichem Individuum zu kreieren, behandelt SWARMS die Aspekte von Gesellschaft und Verbindungen. Auf der einen Seite handelt es sich dabei um ein soziales Experiment, bei welchem eine Gesellschaft von Robotern und Menschen zusammentreffen, auf der anderen Seite steht ein künstlerischer Roboter, welcher seine Reinterpretationen der Mechanismen, die der robotischen Gesellschaft zugrunde liegen, zeichnerisch festhält.

Empathy Swarm

Empathy Swarm ist ein emergentes System aus autonomen Robotern, welches als Interface zwischen Mensch und Maschine dient und das Ökosystem Mensch-Maschine kreiert. Der Schwarm ist eine Gesellschaft robotischer Kreaturen, welche auf der Gleichheit aller Mitglieder basiert und kontinuierlich die Bedürfnisse aller Individuen verhandelt und ausbalanciert. In der Rolle als Mensch-Maschinen-Interface aktiviert und reagiert das robotische System gleichzeitig auf die Emotionen des menschlichen Betrachters. Während der Schwarm sich durch seine Bewegungen ausdrückt, reagiert der Mensch unterbewusst auf diese und verrät durch sein Verhalten und Gesichtsausdruck sein emotionales Befinden. Im Zusammenspiel generieren diese Mechanismen einen Bio-Feedback-Loop, welcher die Interdependenz beider Spezies zeigt.

 

Auf einer anderen Ebene, findet Empathy Swarm seine ganz eigene Definition dafür, was es bedeutet, ein Nutzgegenstand/ -gerät zu sein, welches auf der Idee von Maschinen-Erziehung basiert und damit von dem Optimierungskonzept von menschgesetzten Zielen in der Form von Machine Learning wegführt. Stattdessen steht die Idee von Selbstbestimmung und -motivation der robotischen Maschine im Vordergrund, welche nicht aus einer Position von Unterdrückung und Maschinen-Revolution gegen die menschliche Vorherrschaft entsteht. Im genauen Gegensatz dazu gibt Empathy Swarm Freiraum für die Verletzlichkeit der robotischen Nachfahren und fördert die vorsichtige Annäherung beider Spezies in ein Ökosystem und eine Gesellschaft aus Empathie und Mitgefühl füreinander und untereinander. Das menschliche und robotische Bewusstsein werden in einem ausgedehnten kollektiven Gedächtnis vereint, welches die Informations- und Inspirationsquelle zukünftiger Gesellschaften bildet und als vorbeugende Medizin gegen eine dystopische Zukunft genutzt werden kann.

 

Swarm Drawings

Swarm drawings ist gleichzeitig eine robotische Installation und die zeichnerischen Erzeugnisse, welche diese produziert. Inspiriert von den unzählbaren Eindrücken und Möglichkeiten des Verhaltens eines Schwarms hält der Schwarm-Zeichen-Roboter dieses fest. Eng mit der Empathy Swarm Serie verbunden, reinterpretiert diese Arbeit auf ihre eigene Art und Weise wie ein Algorithmus Zeit und Bewegung erfassen kann und Muster und Strukturen, welche der Schwarm-Gesellschaft unterliegen und welche nur durch die zeitliche Dimension in ihrer Überlagerung deutlich werden, erfassen kann. Kann ein Roboter sein eigenes Verständnis für die seiner Spezies zugrunde liegende Realität entwickeln und ausdrücken? Ist ein Roboter fähig Kreativität zu entwickeln?

 

Megatautophone – Tensor Field Ontology

Ein Feld aus Licht bewegt sich synchron mit einem Strahl aus Klang. Beides kommt aus derselben Quelle: ein glänzender, metallener Stativ-Roboter dreht einen direktionalen Lautsprecher um zwei Achsen. Wie von einem Strudel wird der Betrachter mit allen seinen Sinnen in die Installation gesogen, um sich in einer stetig verändernden räumlichen Klangskulptur wiederzufinden, welche ihn aufnimmt und umhüllt. Ein Moment kostbarer Intimität zwischen Besucher und Maschine entsteht und öffnet eine Tür, welche das Unterbewusstsein des Betrachters auditiv und visuell stimuliert und dieses mit dem Roboter verbindet.

 

Der entschieden non-anthropomorphe Roboter ist die Quelle dieser transzendenten Atmosphäre, welche davon genährt wird, dass das Megatautophone gleichermaßen eine Apparatur der Kunst wie der Musik und gleichzeitig ein Instrument der Psychologie und Physik ist. Der Name Tautophone leitet sich von projektiven Hörtests der Psychologen Skinner, Rosenzweig und Shakow ab, welche als Form eines hörbaren Rorschach Tests verstanden werden können, bei welchem eine Sequenz von Vokalen wiederholt wird und diese anstelle des Tintenklecks-Bildes latente Sprache, verborgen im Unterbewusstsein des Zuhörers, zum Vorschein zu bringen versucht. Das Tautophone scheint neugierig – kurios – curious zu sein, motiviert seine Umgebung zu erforschen und zu lernen.

 

Dieser Eindruck wird durch die menschliche Fähigkeit Mitgefühl mit Dingen zu haben, welche schon 1944 von den Psychologen Heider und Simmel untersucht und dargelegt wurde, bestätigt. Dieses Sich-in-andere- bzw. in-anderes- Hineinzuversetzen gibt ebenfalls Raum für Spekulation über das menschliche Bedürfnis ein Weiterleben des eigenen Ichs in neuen Lebensformen zu ermöglichen, welchem eine unterbewusste Gewissheit der eigenen Sterblichkeit zugrunde liegt. Tensor Fields – Tensor Felder – sind der mathematische Begriff für die Darstellung der visuellen Umgebung, die kontinuierlich neue Formen annimmt - sich dauerhaft verändernde Tintenkleckse aus Licht.

 

Durch das physikalische Phänomen des gerichteten Klangs als Medium robotischen Ausdrucks und aufgrund der ungewöhnlichen, fast unheimlichen Natur des Hörens dieser auditiven Halluzinationen, wird der Sinnesapparat des Betrachters durch die Vielzahl sublimer Stimuli geschärft und intensiviert. Letztendlich beschäftigt sich Megatautophone – Tensor Field Ontology mit den grundlegenden Strukturen, die Realität und Möglichkeit miteinander verknüpfen, wobei die Rolle des Roboters darin liegt, das kognitive Gewebe, welches Mensch und Maschine verbindet, neu zu kalibrieren.

 

Dr. Doppler

Dr. Doppler erforscht Räumlichkeit durch den Doppler-Effekt. Er ist ein „Nachhörwirkungs-Roboter“, im Sinne einer auditiven „Nachbildwirkung“, die sich statt auf der Netzhaut im Gehör eingraviert. Der Roboter spannt zwei Arme über zwei Meter auf und hält an den entgegengesetzten Enden jeweils einen Lautsprecher, welche er mit bis zu 500 Umdrehungen pro Minute um die eigene Achse dreht. Bei dieser Geschwindigkeit ist er in der Lage 16 virtuelle Lautsprecherpositionen pro Sekunde zu generieren, wodurch ein hyperräumlicher Eindruck entsteht.

 

Durch das gezielte Setzen von Audioimpulsen scheint es, dass der Sound entlang des Kreises unabhängig von der Drehrichtung in beliebige Richtungen wandern kann. Lichtimpulse, die an den Armen entlang laufen, kreieren zudem eine Unterteilung der audiovisuellen Wahrnehmung in ihre Bestandteile, wodurch der räumliche Klangeffekt noch an Stärke gewinnt. Das menschliche Hirn kann nicht völlig verstehen, wie es dem Sound möglich ist sich in die Gegenrichtungen des Lichtes zu bewegen. Während der bewusste Teil des Gehirns dies wahrnehmen kann, fixiert sich der unterbewusste Teil auf die leicht hypnotische Erfahrung. Zusätzlich zu diesem Effekt modifiziert auch der namensgebende Dopplereffekt die Klänge und spielt so mit dem Andershören der Betrachter.

  • Swarms & Satellites_Tautophone (c) esc mkl_Foto: Hochschuh und Donavan
  • Swarms & Satellites_SwarmDrawings (c) esc mkl_Foto: Hochschuh und Donavan
  • Swarms & Satellites_EmpathySwarm (c) esc mkl_Foto: Hochschuh und Donavan
  • Swarms & Satellites_DrDoppler (c) esc mkl_Foto: Hochschuh und Donavan