Robot Partners featuring spineBot Finissage

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Freitag, 20. November 2020 - 18:00 bis 20:00

Laufzeit: 

20/11/2020
[esc] medien kunst labor
  • Performance

Roboterpartner - sind Freunde elektrisch?

 

Das Entwerfen und Bauen von Robotern ist eine gute Möglichkeit, Technologie auf der Grundlage von Versuch und Irrtum kennen zu lernen. Ich habe Fehler immer als wichtigen Teil kreativer und umfassender Prozesse sowie als konzeptionelles Werkzeug zur Auseinandersetzung mit der/den Idee(n), Versprechungen und Überzeugungen gesehen, die eng mit der Technologie verbunden sind. Versuch und Irrtum ist auch eines der Merkmale des Robot Totem (2005), einer einfachen Bambuskonstruktion, die aus vier quadratischen Teilen und drei Gelenken besteht und von computergesteuerten pneumatischen Muskeln angetrieben wird. Der "Körper" ist mit einer Kamera ausgestattet, die auf dem oberen Teil montiert ist, um die Sicht des Roboters zu zeigen. Das Roboter-Totem befindet sich in verschiedenen Graden und Geschwindigkeiten immer wieder selbst aufrichtend und fallend.

Ein wichtiges Projekt, innerhalb dessen ich mich auch mit Idee(n), Versprechungen und Überzeugungen beschäftige, die eng mit der Technologie verbunden sind, ist das Projekt robotPartner. Es ist ein langfristiges Projekt oder besser gesagt ein konzeptioneller Rahmen, innerhalb dessen ich mehrere Arbeiten realisiere, die sich auf das Versprechen der Technologie und insbesondere auf Roboter beziehen, die unser tägliches Leben einfacher, effizienter und damit besser machen. Das Projekt befasst sich mit dem Konzept der Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine und mit der/den zeitgenössischen Idee(n) und Bildern des Fortschritts.

 

Hegel schrieb einmal, dass der Fortschritt des Geistes nicht bereits der Fortschritt des Glücks ist.
The Living Rooms - Happy End of the 21st Century (2006, mit Jan Cummerow) beschäftigt sich mit dieser Ambivalenz, da jeder Fortschritt auch neue Widersprüche und Konflikte erzeugt.
Die Installation nimmt die Form einer Wohnung an, in der Haushaltsgeräte und Möbel ein Eigenleben führen. Die Wohnräume bestehen aus Küche, Schlafzimmer, Bad und Wohnzimmer a. Jeder Bereich ist mit allgegenwärtigen Gegenständen ausgestattet - Möbel, Küchengeräte, Accessoires und Werkzeuge. Die Geräte funktionieren bis zu einem gewissen Grad, ihre Funktion wird jedoch nicht durch den Gebrauch geschaffen, sondern sie sind Gegenstand einer "eigenen" Dynamik. Es scheint, dass die Wohnung einen möglichen Bewohner in einem virtuellen Zustand erzeugt. Es entsteht ein Handlungsablauf mit Möbeln und Accessoires, der dann zunehmend in eine eskalierende Selbständigkeit läuft - eine Art Orchester aus Küchengeräten, Werkzeugen und Truhen, Stühlen und Tischen springt in schaukelnder Rhythmik und vollführt absurde Tänze. Teilweise beruhigen sich die Objekte langsam, die mobilen Möbel bewegen sich zurück auf ihre Stationen und der virtuelle Bewohner geht zurück ins Bett, das Licht geht aus. Diese performative Installation schafft ein Bild, das wir auf unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beziehen können. Sie bietet dem Besucher die Möglichkeit, seine eigene Alltagswelt als eine Art Maschinerie zu erforschen, die mit Vorstellungen von Automatisierung und Pflicht bestimmt wird, sowie über die Ideen und Träume nachzudenken, wie wir unser tägliches Leben und unsere Umwelt mit Hilfe der Technologie verbessern können.

 

Die Living Rooms arbeiten mit Absurdität, Travestie, Humor, aber auch mit dem Gefühl des Unheimlichen, was besonders mit dem Soundteil der Installation erreicht wird. Das Gefühl des Unheimlichen beinhaltet eine eigentümliche Mischung aus Vertrautem und Unbekanntem. Nach Freud, der dieses Konzept ausarbeitete, leitet sich das Unheimliche vom Bekannten, Vertrauten ab, das einmal verdrängt wurde. Unheimlich ist nichts Fremdes, Fremdes an sich. Es ist etwas, das unserem psychologischen Leben vertraut ist, das aber durch den Prozess der Unterdrückung entfremdet wurde. Das Unheimliche ist etwas, das verborgen bleiben sollte, aber ans Licht kam.

 

Ähnlich wie bei Living Rooms bezieht sich auch Automated Table Modification (2008) auf die Ideen der erweiterten Umgebung. Es handelt sich um eine Art Tableau vivant, bei dem die auf dem Tisch dargestellten Objekte ihre eigene Bewegungs- und Klangchoreografie ausführen. Es besteht aus 400 Elektromagneten unter dem gläsernen Schreibtisch und über einem Bündel von Alltagsgegenständen, die normalerweise auf einem Arbeitstisch zu Hause platziert werden. Von Zeit zu Zeit beginnen die Gegenstände nacheinander, um einen oder mehrere Schritte auf ein mögliches Ziel zuzugehen. So schaffen sie schließlich eine chaotische und danach eine scheinbar geordnete Struktur.
Ebenso wie die Living Rooms wurde auch diese Arbeit oft als interaktive oder sogar intelligente Installation wahrgenommen, dennoch funktioniert sie auf der Grundlage einer Schleife von programmierten Schritten, wie z.B. ein Autoschweißroboter. Jede Störung stört das System und gefährdet den effizienten Arbeitsablauf. 

 

Im Rahmen des Robot Partner-Projekts beschäftigt sich der DrillBot (2009, mit Lars Vaupel) insbesondere mit der Idee(l) von Servicerobotern, die menschliche Arbeit und Alltagsroutine erleichtern und vereinfachen sowie dem Menschen als Partner in einer entfremdeten mechanisierten und systemisierten Gesellschaft dienen. Der Roboter besteht aus einem Gitter, an das vier Bohrmaschinen angeschlossen sind; er wird von computergesteuerten pneumatischen Aktuatoren angetrieben. Er bewegt sich autonom auf der Wand und hält sich selbst, indem er Löcher in die Wand bohrt. Seinen kritischen Pfeil zielt das Projekt auch auf ökonomisch konditionierte Propagandadiskurse, die solche technologischen Neuerungen begleiten, die üblicherweise als effektive Neuerungen präsentiert und perfekt versprochen werden. Stefan Doepner

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