Co-Becoming with Kombucha

Co-Becoming with Kombucha
Tania Safa
Das Projekt Co-Becoming with Kombucha untersucht, wie biohybride Schnittstellen Begegnungen mit mikrobiellem Leben ermöglichen – jenseits instrumenteller Nutzung oder rein repräsentativer Modelle. Die verwendete Kombucha-Kultur wird dabei nicht als Datenquelle verstanden, sondern als lebendiges, zeitlich dynamisches System, das durch Wachstum und Transformation geprägt ist.
Zentral ist die Frage nach Relationen zwischen menschlichen und mikrobiellen Akteuren. Ausgangspunkt bildet das Konzept des Holobionten, wonach Organismen aus mehreren miteinander verbundenen Lebensformen bestehen. Aus posthumanistischer und aus feministischer Perspektive wird diese Beziehung als ethische und gestalterische Praxis gefasst, die traditionelle Grenzziehungen zwischen Mensch und Nicht-Mensch infrage stellt.
Die Installation basiert auf einem Austausch zwischen biologischen (mikrobiellen) und technischen Prozessen. Über ein „Gift-of-Self“-Protokoll bringen Teilnehmende körpereigene Materialien wie Haare, Speichel oder Hautkontakt in den Fermentationsprozess ein. So werden sie selbst Teil eines Systems, das sich durch wechselseitige Einwirkungen konstituiert.
Ein zentraler Bildschirm ist mit mehreren ringförmig angeordneten Kombucha-Behältern verbunden, die ihrerseits über Elektroden verbunden sind. Während sich Biofilme aus bakterieller Zellulose ausbilden, erfassen Sensoren die bioelektrische Aktivität der Kulturen. Diese wird in ein Reaktions-Diffusions-Modell (Gray-Scott-Modell) übersetzt und als visuelles Muster ausgegeben, das Wachstum und Veränderung als offenen Prozess zeigt.
Indem Fermentationsprozesse als ästhetisches und relationales Medium eingesetzt werden, tritt mikrobielles Leben als aktiver Mitspieler hervor. Der entstehende Biofilm fungiert als lebendige Oberfläche, die sich kontinuierlich verändert und sich eindeutiger Interpretation entzieht.
Co-Becoming with Kombucha erprobt so Design als eine Form der Teilhabe – nicht als Kontrolle über lebende Systeme, sondern als verantwortungsvolle Mitwirkung an einem gemeinsamen, fragilen Prozess zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren.
