2004

Generating Art

In einer Kombination aus Ausstellungsprojekten, auf Vermittlung neuer Technologien und neuer Entwicklungen angelegte Worklabs mit daraus resultierenden Installationen und Kooperationen mit KünstlerInnen aus verschiedenen Bereichen der Medien- und Informationskunst sollen die derzeit aktuellen Strömungen aufgespürt, gezeigt und weiterentwickelt werden. Neben den physischen Räumlichkeiten der ESC dient dazu auch der von der ESC betriebene Kunstserver ice.mur.at als Zentrale zur kontinuierlichen Weiterarbeit an den Informationstechnologien.

Als zentraler Begriff dient uns 2004 "Generative Kunst".

"Generative Kunst bezieht sich auf jede Kunstpraxis, in der der/die KünstlerIn einen Prozess kreiiert, wie ein Set von natürlichen Sprachregeln, ein Computerprogramm, eine Maschine, oder einen anderen Mechanismus, der dann mit einem gewissen Maß an Autonomie in Bewegung gesetzt wird, zu einem neuen Kunstwerk beiträgt oder ein neues schafft."
Philip Galanter, Professor an der New York University

Schon 2003 waren einige der in der ESC entwickelten bzw. zum ersten Mal gezeigten Arbeiten diesem aktuellen Produktionsfeld zuzuordnen. 2004 legen wir verstärktes Augenmerk auf diesen Bereich. Deswegen wird auch Softwarekunst einen der Schwerpunkte des Programms der ESC 2004 bilden.

Softwarekunst ist eine Kunstpraxis, die Software als kulturelles Phänomen begreift, das einen der bedeutendsten Aspekte unseres Lebens heute definiert. Software wird nicht als unsichtbarer Layer, unsichtbare Schicht betrachtet, sondern als bedeutungstragende Einheit, die sowohl Reproduktion als auch Veränderung definierter Regeln bewirken können, seien sie nun ästhetisch, kulturell, sozial oder politisch.

Softwarekunst umfasst einen breiten Bogen von Aktivitäten: von formalistischen Experimenten mit Code und seiner Ausführung hin zur Softwaremanipulation, die keinerlei spezifisches Vorwissen für die Verwendung verlangt, von alternativen Werkzeugen, die von Grund auf neu entwickelt wurden, hin zu Erweiterungen oder Dekonstruktionen bereits vorhandener Software, von "wirklichen" Softwareprojekten hin zu Projekten, die überhaupt nicht in Porgrammiersprachen geschrieben sind, sondern mit kritischer oder kultureller Auseinandersetzung mit Software zu tun haben.

Softwarekunst beschäftigt sich mit einer breiten Palette an Themen. Oft wird sie sogar selbst zur Softwarekultur.

Softwarekultur - Kultur generiert durch ProgrammiererInnen, DesignerInnen und UserInnen - ist eine großzügige Quelle des Nachdenkens über digitale Kultur und Gesellschaft. Softwarekulturen definieren die Art, wie Software entsteht und funktioniert, beeinflussen also die Zusammensetzung und Funktionsweise der Basisinfrastrukturen der digitalen Gesellschaft."
(aus Read_Me, Digital Aesthetics Research Centre, 2004)

Die Worklabs

Im Jahr 2004 werden insgesamt 4 Worklabs in der ESC durchgeführt, die durchgängig das Jahresmotto "Generating Art" zum Thema haben.

Das Worklab hat sich als Form der (Weiter-)Entwicklung von Technologien, Software und Kunstkonzepten v.a. im Bereich der Neuen Medien bewährt. Grundsätzlich ist das Worklab als eine Kombination aus nicht-öffentlichem Aufbau und Experiment und anschließender Veröffentlichung zu verstehen.

Präsentations- und Realisationsräume wie die ESC haben im Bereich der neuen Medienkunst nicht nur die Funktion, die generelle Produktion von neuen Arbeiten durch Raum und Infrastruktur zu ermöglichen, sondern eine Erweiterung der jeweils bereits vorhandenen Arbeitsweise und Austausch über Produktionsmöglichkeiten zu bieten.

Gerade im Bereich der Medienkunst muss grundsätzlich von Produktionsguppen ausgegangen werden, da die Spezialisierungen im technischen Bereich weit fortgeschritten sind und nur wenige KünstlerInnen in sich sämtliches technische Know-How vereinen. Deshalb werden zu den einzelnen Worklabs bis zu 10 Personen aus unterschiedlichen Feldern eingeladen.