Promenade. Anekdote, Alltag, Abbild

Installation, Symposion, Performances & Art’s Birthday 2018 zu Gast im esc medien kunst labor

Laufzeit: 

24/11/2017 bis 31/12/2017

Öffnungszeiten: 

Dienstag - Freitag

14.00 - 19.00 Uhr

und nach Vereinbarung

Eröffnung: 

Freitag, 24. November 2017 - 19:00
Foto: Martin Rumori, © esc medien kunst labor

Promenade. Anekdote, Alltag, Abbild ist eine Ausstellung mit erweitertem Programm, die vom 24. November 2017 bis zum 17. Jänner 2018 im esc medien kunst labor zu sehen ist.

Im Mittelpunkt steht die Transformation von alltäglicher Umwelterfahrung in medienvermittelten Umgebungen. Wahrnehmungsräume für den Körper, für Ohren und Augen inszenieren Spazieren, Flanieren, Übergänge, Perspektivwechsel. Die Bewegung im technischen Konstrukt provoziert Imagination, narrative Versatzstücke von Realität, Versionen der eigenen Identität.

 

Im Ausstellungsraum sind mehrere audiovisuelle Skulpturen angeordnet, die Bildmetaphern aufgreifen. Sie erscheinen als reaktive Tableaus mit auditiver Komponente, die ein Gegenüber bilden. Jede Skulptur verkörpert anekdotisch Alltägliches, Orte, Situationen oder Geschehnisse, die in Kompositionen aus Feldaufnahmen und Bildmaterial verdichtet sind. Wird eine Perspektive unmittelbar gegenüber einer Skulptur eingenommen, öffnet sich ein eigener auditiver Raum. Durch Sensorik und ein besonderes Verfahren der Klangprojektion können die Bilder »betreten« und »verlassen« werden. Wiederholtes Aufsuchen einer Skulptur führt zu neuen Einblicken in das Material, die die entstehende Narration erweitern, kommentieren oder konterkarieren. Die einzelnen Skulpturen sind technisch nicht synchronisiert, greifen aber durch ihre räumlichen und narrativen Bezüge ineinander. Sie erzählen nicht eine Geschichte, sondern bilden ein Vexierspiel aus Versatzstücken, die auch in ihrem Herkunftskontext nicht mehr miteinander zu tun hatten als in der Installation: Sie sind Ausgangspunkte für unsere Abbilder von Realität, für die Konstruktion von Zusammenhängen, Kausalitäten, Indizien.

 

Das Symposium referenziert verschiedene Themenfelder: die anekdotische Musik mit ihrem egalitären Anspruch an Komposition und Rezeption, wie er von Luc Ferrari vertreten wurde1, die Spaziergangswissenschaft als Zugang zur bewussten Umgebungswahrnehmung2, akustische Ökologie und Paradigmen von Feldaufnahmen, narrative Identität3, Installation, Environment und Musik im Raum, Aleatorik, multimodale Wahrnehmung und Körpererfahrung und nicht zuletzt Fragen der virtuellen und erweiterten Realität. Ein eintägiges Symposium am Ausstellungsort soll einige dieser Themen aufgreifen und Reflexion, Austausch und künstlerische Interaktion ermöglichen. Dazu sollen internationale Gäste eingeladen werden, die verschiedene der genannten Bereiche vertreten.

 

Während des Winterschlafs/Hibernation wird die Ausstellung nicht im Innenraum des esc medien kunst labor zugänglich sein, sondern kann von außen durch die umlaufende Fensterfront besucht werden. Während dieser Zeit wird die Installation in einen Modus versetzt, in dem sie sich selbst betrachtet, also immer wieder von Bild zu Bild flaniert, sie betritt und wieder verlässt. Die Selbstbetrachtung kann anhand einer adaptiven Lichtgestaltung der Bildskulpturen beobachtet und durch Körperschallwander verfolgt werden, die die Glasfront an verschiedenen Stellen mit »Hörtunneln« ins Innere der Installation versehen.

 

Zur Gestaltung der Eröffnung sollen weitere Künstler eingeladen werden, Positionen zur Ausstellung zu erarbeiten und vorzustellen. Die verschiedenen Herangehensweisen sollen dabei in Dialog treten. Ähnliche Prozesse sollen auch während des Symposiums und für eine Midissage zum Jahresabschluss sowie die Finissage zum Art's Birthday aufgegriffen werden.

 

1 Hansjörg Pauli: r wen komponieren Sie eigentlich? Hans Werner Henze, Luc Ferrari, Mauricio Kagel, Luigi Nono, Dieter Schnebel, Jaques Wildenberger, Fischer, Frankfurt 1971.

2 Lucius Burckhardt: Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft. Herausgegeben von Markus Ritter und Martin Schmitz, Schmitz, Berlin 2006.

3 Wolfgang Kraus: Das erzählte Selbst. Die narrative Konstruktion von Identität in der Spätmoderne, Münchner Studien zur Kultur- und Sozialpsychologie, Centaurus, München 1996.