The Yellow Cyborg

©esc medien kunst labor - (RE)NEW Part II - Yellowcyborg2 by Minu Park

Der wohl eindringlichste Ausdruck humaner Zerbrechlichkeit in der postdigitalen Ära findet sich in Minu Parks Serie The Yellow Cyborg. Park zitiert die Figur des Cyborgs, um die Instabilität der physischen wie psychischen Identität sowie die Fragilität menschlicher, nichtmenschlicher und mehr-als-menschlicher Beziehungen zu sezieren. Ihre animierten Figurinen sind keine übermenschlichen Hero:innen des Transhumanismus. Vielmehr sind es hybride Kreaturen, deren Körper aus fragmentierten, biomorphen Formen und surrealen mechanischen Montagen zusammengesetzt sind.

 

In langsamen, repetitiven Bewegungen verharren diese hybriden Körperkonstruktionen in einem prekären Schwebezustand zwischen Agilität und Fragilität, zwischen Lebendigkeit und Erlöschen. In der Arbeit Yellow Cyborg 2, die einen technoiden Hybridkörper in angespannt geduckter Haltung zeigt, entfaltet sich eine unheimliche Wachsamkeit und intensive Spannung. 

 

Der Hybridkörper beugt sich weit nach vorne, während der Blick nach hinten gerichtet ist –eine Haltung, die unmittelbar an die Abwehrreaktion eines verängstigten Tieres erinnert. Die ununterbrochen rotierenden elektronischen Augen scannen alarmiert und wachsam den Ausstellungsraum und etablieren eine zutiefst unbehagliche, gespannt beobachtende Beziehung zum Betrachtenden. 

 

Park übersetzt hier persönliche Erfahrungen von panischen Angstzuständen, kultureller Entfremdung und tiefer Depression – das Gefühl, der eigene Körper würde in fremdartigen Kontexten „desintegrieren“ – in eine alienartige physische Form. In Yellow Cyborg 4 weitet sich dieses Unbehagen konkret auf das Leben als Fremder und Migrant aus. Die dafür symbolisch konstruierte Körperlandschaft mutiert zu einer komplexen städtischen Struktur aus Straßen, Schienen und Bewegungssystemen, wodurch die psychologische Instabilität und dynamische Fluidität von oszillierenden Identitäten schonungslos offengelegt werden.

 

Der Cyborg, ein Terminus, den Donna Haraway 1985 in ihrem „Cyborg Manifesto“ prägte, gerät bei Park zum ultimativen diasporischen Subjekt: gefangen in einem endlosen Kreislauf ohne Ankunft und stets in kontextueller Verstrickung. Auch Haraways Cyborg war bereits der „Bastard“ des patriarchalischen Technokapitalismus: geschlechtslos, fragmentiert, ohne offizielle Zugehörigkeit, sozial konstruiert und rigide in fremde Netzwerke eingebunden – „eine Art zerlegtes und wieder zusammengesetztes, postmodernes kollektives und persönliches Selbst“.