Bâton de pluies

Eröffnung: 

Freitag, 24. April 2026 - 19:30

Laufzeit: 

24/04/2026 bis 14/08/2026
esc medien kunst labor blaton de pluies

Bâton de pluies verwandelt die zufälligen Bewegungen von Regentropfen in eine lebendige Partitur. Indem der Regen ein klangliches Raster aktiviert, entsteht eine Form des gemeinsamen Komponierens mit einer Materie, die sich jeder menschlichen Absicht entzieht.

 

Bâton de pluies* (Regenstab) ist eine Installation mit zwei Monitoren. Auf einem Bildschirm erscheint eine animierte Partitur, die durch gefilmten Regen auf dem zweiten Bildschirm aktiviert wird. Bâton de pluies basiert auf der Idee, mit zufallsbestimmten Prozessen zu arbeiten, die sich nicht kontrollieren lassen.

Ausgangspunkt ist ein im Regen exponiertes Keyboard – nicht als Instrument der Aufzeichnung, sondern als sensibles Interface für unvorhersehbare Ereignisse. Der Regen wird zum Auslöser musikalischer Strukturen.

Jeder Tropfen ist ein einmaliges, unwiederholbares Ereignis. Er aktiviert ein grafisches Raster, das die Impulse aufnimmt und in Noten, Rhythmen und Klangtexturen übersetzt. So entsteht aleatorische Musik, die im Erklingen gleichsam ihre eigene „Partitur“ hervorbringt. An die Stelle kompositorischer Kontrolle tritt ein System, das äußere Ereignisse aufnimmt und transformiert und im Zustand ständiger Veränderung auch keiner eindeutigen Autorschaft mehr zuzuordnen ist. Der Regen eignet sich dabei als Ausgangsmaterial, da er mehr als jeder algorithmisch generierte Zufall absichtslos ist, unkalkulierbar und chaotisch. Die Installation knüpft damit an Traditionen aleatorischer Musik und prozessbasierter Kunst an, in denen Zufall nicht als Störgröße, sondern als konstitutives Prinzip begriffen wird.

Zugrunde liegt der Arbeit die alltägliche Beobachtung von Regen unter einem Dachfenster. Bâton de pluies formalisiert und erhöht diese Wahrnehmung vermittels der Interdependenz von Bild und Klang.

Indem der Zufall als künstlerisches Medium wirksam wird, wird Autor:innenschaft in diesem Zusammenhang nicht aufgehoben, sondern neu verortet: als Vermittlung zwischen Ereignis und Übersetzung. Für Vient und Lemière eröffnet sich so ein Raum der Ko-Kreation, in dem Unvorhersehbarkeit als produktive Bedingung ästhetischer Erfahrung wirksam wird.

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* Ein Bâton de pluies (Regenstab) ist eine röhrenförmige Gefäßrassel. Das Instrument imitiert den Klang von fallendem Regen, indem kleine Samen oder Steinchen langsam durch ein Innengeflecht rieseln.