next-Iterations

a festive publication presentation

Laufzeit: 

17/05/2020 bis 18/05/2020

Öffnungszeiten: 

Sonntag, 17.5.2020, 13.00 - 21.00 Uhr

Montag, 18.5.2020, 13:30 - 14.30 Uhr

Eröffnung: 

Sonntag, 17. Mai 2020 - 13:00
constant Iterations

Mit next-Iterarions schließen wir das Forschungsprojekt Iterationen ab: ITERATIONEN untersuchte und entwickelte mit künstlerischen Mitteln mögliche Formen transnationaler Zusammenarbeit im digitalen Raum.

Onlineprogramm mit Live-Radioübertragungen, Körperübungen, Vorträgen, Klanglandschaften und visuellen Interventionen

Das Internet ist zu einem erstaunlich komplexen Ort geworden und kann als Metapher für die ganze Welt interpretiert werden - kein Individuum ist in der Lage, seine Gesamtheit zu erfassen. An Technologie interessierten Kunstschaffenden war dies Anlass, zusammenzukommen, um die wichtigste Infrastruktur unserer Zeit gemeinsam zu verstehen, zu nutzen, zu entwickeln und zu hinterfragen. Wir wollten Netzwerke „auseinandernehmen“ und selbst unsere eigenen Netzwerke hacken, mehrere Internets erfinden und betreiben und eine Zukunft aufbauen, in der wir gerne leben würden.

 

Iterations – ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Kunst- und Kulturorganisationen (Hangar, esc medien kunst labor, Constant und Dyne.org) mit Sitz in Europa, das unter anderem im Rahmen des Programms Creative Europe der Europäischen Kommission finanziell gefördert und im Zeitraum 2017-2019 realisiert wurde. Als Angehörige der Generation des beginnenden 21. Jahrhunderts leben wir zwischen den postkapitalistischen Ruinen, die zu unserer kollektiven Heimat geworden sind. Wir übernehmen freiwillig Arbeiten zur Haushaltsführung, Instandhaltung und Reparatur. Dazu bedarf es der Zusammenarbeit, uns zu besprechen, zu verhandeln, uns auseinanderzusetzen, zu handeln und manchmal auch zu scheitern.

Beim Auftakttreffen im Dezember 2017 in Hangar (Barcelona) wurden die ersten gemeinsamen Ansätze für die Zusammenarbeit entwickelt. Im Frühjahr 2018 machte sich eine Gruppe von Künstler*innen, Hacker*innen, Theatermacher*innen und Musiker*innen auf den Weg nach Giampilieri in Sizilien. Dieser Aufenthalt unter dem Titel Trasformatorio wurde von Dyne.org organisiert, auf den im November 2018 ein Arbeitsprozess in Barcelona folgte, bei dem sich die Künstler*innen darauf konzentrierten, eine kollektive Persona zu schaffen: eine künstlerische Identität mit dem Namen Rica Rickson, eine Entität/Einheit, die von jedem Mitglied der Gruppe oder vielen von ihnen gleichzeitig „bewohnt“ werden konnte und kann.

Nach einer Reihe von Präsentationen, Worklabs und Treffen arbeiteten im Mai 2019 KünstlerInnen unter dem Namen Common Ground zusammen, um die Ausstellung Collaboration Contamination für die Räumlichkeiten des esc medien kunst labor als ortsspezifische Installation zu entwickeln. Im Sommer 2019 organisierte Constant zwei Arbeitsaufenthalte in Brüssel, woraus im Oktober die Ausstellung „Operating / Exploitation“ im Bozar-Lab hervorging, an die unmittelbar danach das Worklab „Collective Conditions“ anschloss.

 

Iterations erforscht die Zukunft der künstlerischen Zusammenarbeit in einem digitalen Kontext.“ –

 

Dieser Kernsatz stand im Zentrum des Gesamtprojektes. Das Grundkonzept bestand darin, eine Aktion unter mehreren sich ähnlichen, aber dennoch unterschiedlichen Umständen zu „iterieren“, also zu wiederholen und daraus entstehende kollaborative und kollektive Strategien in der jeweiligen künstlerischen Praxis zu stärken. Die entwickelten Methoden basierten auf der Praxis des gemeinsamen Handelns: gemeinsam Kunst zu schaffen, im Verständnis des Handelns als einem Akt der Freiheit, des Aktivseins, des Handelns als selbstbewusste Entität(en). Obwohl Iterations einer festgelegten Struktur folgte, verliefen die Forschungen auf vielerlei Art und waren geleitet von Intuition, Affinitäten und Impulsen. Die Ausgangsüberlegungen und die Methodik des Projekts beinhalteten die aktive Debatte und Diskussion (oder auch Action-in-Discussion) des kollektiven künstlerischen Prozesses.

 

Die Zukunft ist entweder kollektiv, oder es wird keine geben.“ – „Zukunft“ nicht als ein vielversprechendes und ausgewogenes utopisches Bild, für das wir etwas tun können, sondern als ein Bündel von Varianten, das aus dem Hier und Jetzt entsteht. Inspiriert von rekursiven Formen der Zusammenarbeit, wie sie in der Open-Source-Softwareentwicklung (F/LOSS) existieren, wandte das Projekt Wiederholung und Zirkularität auf künstlerische Methoden an: Prozesse, bei denen die Ergebnisse einer Aktivität als Inspiration und Material für die nächste verwendet oder auch beiseite gelassen werden können.

 

Wir sind Zeug*innen einer riesigen Unterrepräsentanz von Praktiken kollektiver Produktion und Repräsentation in der zeitgenössischen Kunst. Gleichzeitig sehen wir aber, dass ein beachtlicher Teil künstlerischer Entwicklung von Konzepten, Werkzeugen, Methoden und Ansätzen gemeinsam oder in Zusammenarbeit mit anderen, also kooperativ und/oder kollektiv erfolgt. Deswegen experimentierte das Projekt mit kollektivem Schaffen, gemeinsamer Urheber*innenschaft und Gruppenarbeitsbedingungen. Jede Iteration war eine offene Einladung zur (Wieder-)Aneignung. Materialien, Software-Code, Bilder, Anleitungen und Dokumentation wurden und werden unter Open-Content-Lizenzen auf der Webseite des Projekts zur Verfügung gestellt.

 

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Bedeutung des Begriffs des Digitalen verändert. Das frühe Internet führte zur Entstehung von Netzkunst, kritischen Cyborg-Identitäten, Gender-Tech-Experimenten und Raum für unabhängige Infrastrukturen. In der Gegenwart werden diese hoffnungsvollen Entwicklungen überschattet durch technik-koloniale, auf technische Lösungen fixierte und limitierte Ansätze im Bereich der Big-Data-Korrelationen, Energievergeudung, alles einnehmende Kommodifizierung und zerstörerischen Kommerz. Was Iterations daraus ableitet(e): Ökologie als großes Thema, das Posthumane als Frage, als Methode. Und neben all dem eine Notwendigkeit, Verwandtschaften zu erkennen, zu verstehen, zu vervollständigen und auch zu kontaminieren. Kollektive bilden sich auch durch Eindringlinge, durch Veränderungen, Transpositionen, Unfälle und Zufälle. Kontext ist konkret und gleichzeitig disloziert. Wer ist hier? Wer ist in unserer Nähe? Wer wirkt auf uns ein? Wann geschieht das? Und wo? Die Dislokation, das intuitive Zusammenführen von getrennten Orten, Dingen und Menschen als Methode zur Herstellung eines Kontextes.

 

Die Publikation, die kein Ausstellungskatalog ist, möchte Zugänge öffnen und zu neuen Konzepten für noch zu schaffende Werke anregen. Sie ist quasi ein Gefäß mit hybridem Inhalt, der ausgepackt und wieder neu gemischt werden kann. Das Buch enthält sowohl Beiträge von Teilnehmer*innen vergangener Residencies als auch von Iterator*innen der Zukunft, sodass Ideen zu Personen und Kontexten transportiert werden, die wir noch nicht kennen. Als solche lässt sich diese Publikation selbst als eine Iteration betrachten.

Die Beiträge beziehen sich auf Ansätze, Haltungen und Positionen, die aus dem Iterations-Projekt hervorgegangen sind. Die Herausgeber*innen erstellten eine Reihe von Beschreibungen von gemeinsamen Themen, die als Handles bezeichnet wurden und luden die einzelnen Teilnehmer*innen ein, auf eine davon zu reagieren. Während des „redaktionellen Sprints“ zur Bearbeitung des Materials wurden Scores erstellt, die eine transversale Lektüre der Beiträge gestatten. Diese Praxis wurde „X-Dexing“ genannt. Eine zur Verfügung gestellte Arbeit hat das Recht verbreitet zu werden, ein Eigenleben zu entwickeln, brillanten Einflüssen ausgesetzt zu werden, von den Ergänzungen anderer zu profitieren und sich zu verwandeln. Dehalb lädt die Publikation dazu ein, Bilder, Texte, Kunstwerke, Tonaufnahmen, Quellcodes und andere Materialien, die aus dem Iterations-Projekt stammen, weiter zu erforschen, die Webseite des Projekts https://Iterations.space zu besuchen und die dort enthaltenen Inhalte zu verwenden, zu kopieren, zu verändern und weiterzuverbreiten wie auch weiter zu bearbeiten.

next-Iterations beginnt um 13:00 Uhr mit einer Einführung in die Publikation durch die HerausgeberInnen und DesignerInnen Jara Rocha und Manetta Berends.

Programmlink mit detailierten Informationen zum Programm hier ab 17.5.2020

 

Kooperationen/Koproduktionen: