Co-Becoming with Kombucha

Dieses Projekt untersucht, wie biohybride Schnittstellen relationale Begegnungen mit mikrobiellem Leben jenseits instrumenteller oder repräsentativer Modelle fördern können. Daher wird diese spekulative Schnittstelle, die auf einer lebenden Kombucha-Kultur basiert, als situierte und zeitliche Schnittstelle betrachtet, die durch mikrobielle Morphogenese geformt wird, und nicht als Datenquelle oder Metapher.
Es hat sich zum Ziel gesetzt, ungewöhnliche Formen der Mensch-Mikroben-Hybridisierung zu erforschen, eingerahmt durch die Figur des Holobionten (was bedeutet, dass wir als lebender Organismus nicht ein einziges, sondern mehrere Wesen im selben Körper sind). Dabei werden andere Wege der Beziehung untersucht, während ethische und soziotechnische Spannungen des übermenschlichen Designs in der Mensch-Computer-Interaktion aus einer posthumanistischen und feministischen Perspektive aufgedeckt werden.
So bezog das Projekt mikrobielle Handlungsfähigkeit durch Fürsorge, relationale Materialität und spekulative Interaktion ein, um zu erforschen, was es bedeutet, artenübergreifend zusammenzuarbeiten, während der Mensch dezentriert wird.
Das System funktioniert durch die Beteiligung und den Austausch zwischen seinen verschiedenen Akteuren: Menschen und Nicht-Menschen (mikrobiellen und mechanischen). Die Teilnehmer.innen werden durch ein "Gift-of-Self"-Protokoll einbezogen, bei dem körpereigene Materialien (wie Haare, Speichel, Blut und Hautkontakt) in den Fermentationsprozess eingebracht werden.
In seiner Demonstration besteht das Gerät aus einem zentralen, runden Bildschirm und mehreren Kombucha-Tanks (von denen jeder ein Geschenk erhält oder auch nicht), die sich um ihn herum gruppieren und über Elektroden mit ihm verbunden sind.
Während sich Biofilme aus bakterieller Zellulose bilden, messen subkutane Elektroden die bioelektrische Aktivität in jedem Tank und übertragen die Daten an die Software, die diese in Reaktions-Diffusions-Visualisierungen umsetzt. Letztere basieren auf dem Gray-Scott-Modell, bei dem kleine Datenveränderungen sich entwickelnde Muster erzeugen. Die erzeugten Visualisierungen stellen keine mikrobiellen Zustände dar, sondern drücken Veränderung und Vitalität aus. Indem es präzises Feedback oder Kontrolle verweigert, definiert die Schnittstelle Interaktion neu als Verflechtung: Die Teilnehmer lesen keine Daten, sondern spüren, wie mikrobielle Aktivität die Erfahrung mitgestaltet.
Indem es klare Trennungen zwischen Subjekt und Objekt, Mensch und Nicht-Mensch, Natur und Kultur verweigert, lädt das System Designer dazu ein, lebende Materie nicht als zu optimierende Ressource, sondern als Partner zu betrachten, der dominante wissenschaftliche und gestalterische Vorstellungswelten destabilisiert. Interaktion wird hier nicht als Kontrolle oder Effizienz verstanden, sondern als situativer Prozess ethischer und ontologischer Verhandlung.
Durch ko-kreative Fermentationsprotokolle und körperliche Spende wird mikrobielles Leben als mehrdeutiger Teilnehmer in die Schnittstelle eingeführt. Diese Gesten sind weder rein symbolisch noch rein instrumentell; sie aktivieren Formen der Enthüllung und Identifikation, die menschliche Körper an mikrobielle Prozesse binden. Der daraus entstehende Biofilm fungiert als lebendige Schnittstelle: eine morphogenetische Spur der Interaktion, die im Laufe der Zeit wächst und sich einer vollständigen Lesbarkeit entzieht.
Anstatt mikrobielle Aktivität in stabile Bedeutung zu übersetzen, erhält das System die Mehrdeutigkeit durch partielle Visualisierung und zeitliche Drift aufrecht. Kombucha wird weder auf Daten reduziert noch mythologisiert; es bleibt eine mehrdeutige Präsenz, die Interpretation, Fürsorge und Achtsamkeit erfordert.
Das System materialisiert einen fragilen relationalen Raum, in dem die Teilnehmenden mit ethischen, körperlichen und kognitiven Grenzen konfrontiert werden. Dabei definiert es greifbare und biohybride Interaktion neu als eine Begegnung mit Verletzlichkeit und gegenseitiger Abhängigkeit – eine, in der Design nicht dazu dient, das Leben zu beherrschen, sondern ihm gegenüber rechenschaftspflichtig zu bleiben.Schlüsselrolle bei der Gestaltung sowohl der technischen als auch der kulturellen Grundlagen des Projekts.
Digitale Fertigungsmethoden koexistieren mit überlieferten Praktiken, wodurch Materialwissen bewahrt wird, während gleichzeitig Raum für Anpassung und Weiterentwicklung bleibt.
