Untitled6

Die meditative Agenzialität des Materials
Die radikale Entgrenzung und Übersteigerung des Menschlichen führt uns zwangsläufig zur Frage nach der Agenzialität des Nichtmenschlichen oder gar des Mehr-als- menschlichen in unserer Zeit, in der smarte Maschinen und humanoide Roboter allgegenwärtig werden. Antti Kytömäkis kinetische Skulptur Untitled 6 fungiert hier als meditative Übersetzung. Eine metallische Kugelkette fällt wiederholt tönend auf eine schwarze Acrylplatte, wobei das System von präzise gesteuerten Schrittmotoren angetrieben wird. Die schwingende Kette faltet sich unablässig in sich selbst und bildet vor dem dunklen Hintergrund sich ständig verändernde Formationen. Diese Bewegung, die auf den ersten Blick mechanisch-monoton erscheinen mag, offenbart bei genauerer Betrachtung die Reproduktion überraschender, zufälliger Variationen. Kytömäki haucht sterilen industriellen Materialien wie Stahl und Acryl dynamisches Leben ein und kreiert einen meditativen Charakter, der an das zeitlose Betrachten von Kaminflammen oder Meereswellen erinnert. Jeder Moment entwirrt und verwickelt sich aufs Neue, untermalt von monotonen Klanglandschaften, die das unvermeidliche physikalische Ergebnis der Materialinteraktion sind und den hypnotischen Sog der Arbeit verstärken. Die Maschine träumt hier nicht von elektrischen Schafen; vielmehr träumt sie sich selbst als einen endlosen, autopoietischen Prozess. Also, ohne Schwerkraft auch kein Bewusstsein in der Materie?
