PARLANDO

Laufzeit: 

08/02/2025 bis 02/04/2025

Öffnungszeiten: 

Dienstag - Freitag 14 - 19 Uhr

und nach Vereinbarung

Eröffnung: 

Samstag, 8. Februar 2025 - 19:00

Termine: 

esc medien kunst labor Parlando Ulla Rauter

Dem Rauschen eines Flusses lauscht ein neuronales Netz und erkennt darin Fragmente menschlicher Sprache.

In Parlando wird das animistische Ritual, dem Fluss zuzuhören, von einer Spracherkennungsmaschine (Deep Learning) übernommen. Aus dem Fluss der Worte, die aus den Klängen und Geräuschen des Wassers „gelesen“ werden, entsteht ein neuer, eigenständiger Text.

In Parlando sind die Grenzen der KI (die aufgrund ihrer Programmierung in allem Sprache sucht und findet) die treibende Kraft hinter der künstlich-poetischen Textkreation.

Indem das Rauschen des Flusses als menschliche Stimme interpretiert wird, wird es tatsächlich zum Text und zur vermeintlich versteckten Botschaft des gluckernd- parlierenden Wassers.

Technik: Spektrale Klanganalyse, Deep Learning

 

Die Idee, dass unsere Sprache aus dem Wasser entstanden ist, hat der französische Erfinder und selbernannte Linguist Jean-Pierre Brisset so formuliert: „Das Wasser hat alles erschaffen, selbst die Sprache, die aus Wasser besteht“.

Das assoziative Lauschen am Ufer eines Flusses gilt als meditative Übung. Manchmal konstruiert das Gehirn dabei infolge einer akustischen Täuschung den Eindruck von geflüsterter oder gesprochener Sprache. Das Geräusch von fließendem Wasser enthält eine Fülle von Frequenzen, ihre rhythmische Abfolge ähnelt der Sprechgeschwindigkeit.

In dieser Arbeit schickt Ulla Rauter ein neuronales Netz auf die Suche nach Spuren menschlicher Sprache in den Geräuschen eines Flusses. Mit Hilfe der KI versucht sie, im Rauschen des Wassers verborgene Worte und Wortfragmente zu erkennen und an die Oberfläche zu bringen. Dazu verwendet sie eine akustische Mustererkennung, die auf Spektrogrammen basiert. Ein Spektrogramm ist die visuelle Auffächerung eines Klanges in Lautstärke, Frequenz und Zeit.

Künstlerisch arbeitet sie seit mehreren Jahren mit Spektrogrammen. Sie faszinieren Ulla Rauter aufgrund ihres großen ästhetischen Reizes – sie sieht darin stimmliche Röntgen- bilder – und sie enthalten als eine Art Code nicht nur das gesprochene Wort, sondern darüber hinaus eine Vielzahl an paralinguistischer Informationen. In ihren Arbeiten hat sie handgezeichnete Spektrogramme erstellt, die – wenn sie vertont werden – zur künstlichen Stimme als reines Konstrukt unserer Gehirns werden.

Auch in ihrer Arbeit mit dem Fluss verwendet Ulla Rauter Spektrogramme. Sie trainiert das Computerprogramm mit ihrer Stimme, indem sie einzelne Worte und kurze Phrasen wiederholt einspricht. Sie nähert ihre Stimme dabei dem Klang des Flusses an, indem siesie einer Klangfaltung unterzieht – dabei wird das Signal ihrer Stimme mit dem Spektrum des Flusses multipliziert. (Dadurch wird der Fokus weg von stimmspezifischen Merkmalen und mehr auf Dynamik und Rhythmus der Sprache gelenkt.)

 

Dann positioniert sie ein Mikrofon am Ufer eines fließenden Gewässers. Das neuronale Netz lauscht nun dem Flussgeräusch, als wäre es menschliche Sprache. Indem sie dem Programm nie den Fluss selbst vorspielt, sondern immer nur ihre Stimme als Referenz gibt, versucht es nun in allem, was eingespielt wird, menschliche Sprachmuster zu erkennen.

 

Analog zum menschlichen Gehirn führt die Erwartungshaltung zum Vergleich des Neuen mit Bekanntem. Ähnliche Muster in der akustischen Textur werden als Worte interpretiert und zu Sätzen und Phrasen aneinandergereiht. Diese wiederum können von uns beim Lesen mit Bedeutung aufgeladen werden – der Fluss scheint stellenweise eine tiefere Wahrheit, eine Botschaft preiszugeben.

Auch hier kommt die unentwegte Suche unseres Gehirns nach Sinn-Zusammenhängen und Mustern zum Einsatz.

esc medien kunst labor PARLANDO Ulla Rauter Foto Martin Grossesc medien kunst labor PARLANDO Ulla Rauter Foto Martin Grossesc medien kunst labor PARLANDO Ulla Rauter Foto Martin Grossesc medien kunst labor PARLANDO Ulla Rauter Foto Martin Grossesc medien kunst labor PARLANDO Ulla Rauter Foto Martin Gross
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