Vortrag von Dagmar Fink: “You are cyborg - aren't you?”. Einstürzende Dualismen und die Herausforderungen des Gemeinsamen Werdens
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Wer sind wir? Wann sind wir? Wo stehen wir? Und was ist politisch zu tun? – Zur Beantwortung dieser Fragen kaperte die US-amerikanische Biologin und Wissenschaftstheoretikerin Donna Haraway bereits 1985 die technomilitaristische Figur der Cyborgs. Dagmar Fink: "Ob wir das Bild d* Cyborg ausfüllen wollen, können wir uns allerdings nicht aussuchen: wir müssen es, nicht zuletzt weil wir in den Begriffen von Information und Kommunikation beschrieben werden (oder uns auch selbst beschreiben)."
Tauchte diese Figur bislang nur als zukünftiger Astronaut im Space Race, als technologisch aufgerüsteter Krieger oder als sexualisierter Fembot in der Science Fiction auf, nutzt Haraway Cyborg als performatives Bild sozialistisch-feministischer, anti-rassistischer und anti-kolonialer Kämpfe: Als Figur zeichnet Cyborg eine komprimierte Karte der Welt, in der wir zu diesem historischen Zeitpunkt leben und legt dar, welche Logik den gegenwärtigen gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen zugrunde liegt. In diesem Sinne ist das Bild ein Analyseinstrument. Ob wir das Bild d* Cyborg ausfüllen wollen, können wir uns allerdings nicht aussuchen: wir müssen es, nicht zuletzt weil wir in den Begriffen von Information und Kommunikation beschrieben werden (oder uns auch selbst beschreiben). You and me – we are cyborg!
Von entscheidender Bedeutung ist, dass Cyborg als kybernetischer Organismus weder Natur noch Technik ist, Dualismen vielmehr zum Einsturz bringt. Denn Dualismen sind konstitutiver Bestandteil von Herrschaftslogiken, in der Hervorbringung von Selbst und Nicht-Selbst, also ‚Anderem‘ unauflöslich verwoben mit Patriarchalismus, Rassismus, Kapitalismus und Kolonialismus. Die Implosion von Dualismen ist bedrohlich, wenn alle und alles als Kommunikationssystem beschrieben werden. Gleichzeitig ermöglicht sie jedoch, das Verbindende, Gemeinsame von Menschen, Maschinen, Pflanzen und Tieren zu betrachten. Und sich den Herausforderungen wie auch Freuden des Gemeinsamen Werdens zu stellen.
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KünstlerInnen:
Koproduktion :
steirischer herbst 2020
Graz Kulturjahr 2020