Contact

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Roboter halten Einzug in alle Lebensbereiche - trotzdem haben die meisten Menschen noch nicht direkt mit ihnen interagiert. Contact bietet ein Interaktionsnarrativ ohne Berührungsangst in einer Zeit, in der Berührungen nicht mehr selbstverständlich und alltäglich sind.

 

Eine Umarmung, ein aufbauendes Schulterklopfen oder ein erfreuter Händedruck - platonische körperliche Berührung ist ein wesentlicher Bestandteil von Verbundenheit. Berührung kann Zuneigung vermitteln, Wohlbefinden und Intimität schaffen und in schweren Zeiten Zuversicht und Trost spenden.

Einst selbstverständlich und alltäglich, so ist sie in einer neuen, von social distancing und self-isolation geprägten Realität, seltener und ungewohnt geworden. Eigene Erfahrungen und zahlreiche Studien zeigen, dass soziale Kommunikation auch über Technologien funktioniert und vergleichbare physiologische Reaktionen hervorruft. Doch ohne die Möglichkeit physische Berührung auszutauschen, entsteht kein überzeugendes Erlebnis tatsächlichen Zusammenseins, sogenannter „sozialer Präsenz“.

 

Contact (lat. contactus, von contingo „Ich berühre von allen Seiten“) ist eine Mensch-Maschinen-interaktive Installation im erweiterten öffentlichen Raum. Ein KR6 R900 Roboter steht hinter einer Glasscheibe und schaut mit neugierigem Habitus den vorbeigehenden Passant_innen hinterher. Kommt jemand auf den Roboter zu, beginnt eine Interaktion zwischen Verweiler_in und Roboter. Vorsichtig, fast schüchtern tastet sich der Roboter an den frischen Beziehungsaufbau heran. Er betrachtet sein Gegenüber, hält Blickkontakt, stupst an die Scheibe. Augenscheinlicher Höhepunkt der Interaktion ist der Moment der tatsächlichen Kontaktaufnahme: legt ein_e Verweiler_in die Handfläche an die Scheibe, schmiegt sich der Roboter von der anderen Seite an die Scheibe an. Nach einiger Zeit folgt vielleicht auch ein erfreuter Vibrationsimpuls.

 

Contact lebt in einer Zeit des Mangels von Berührung und Nähe. Der Roboterarm weckt durch seinen Habitus Sympathie und Kontaktfreude und schafft eine Mensch-Maschinen-Verbindung über Berührung und Vibration durch eine Scheibe hindurch. Ein Gefühl von sozialer Präsenz und emotionaler Verbindung entsteht in Form der gemeinsamen sozialen Interaktion jedoch bereits lange vor der tatsächlichen Berührung.

 

Der programmierten Verhaltensweise des Roboters kommt hierbei besondere Bedeutung zu. Der 6-Achs-Roboter wurde parametrisch programmiert und reagiert in Echtzeit über Gesichts- und Körpererkennung auf die Interakteur_innen. Mitunter ist diese inspiriert durch die CASA-Theorien (Computers are social actors), welche davon ausgehen, dass Menschen Maschinen mit mensch-ähnlichen Charakteristiken generell als mensch-ähnlicher wahrnehmen und behandeln.

 

Contact ist kein humanoider Roboter, hat optisch also keine Ähnlichkeit mit einem Menschen. Contacts Verhalten in der sozialen Situation des Kennenlernens ist jedoch menschlich inspiriert und impliziert Attribute wie Verspieltheit, Neugierde und Schüchternheit. Dadurch entsteht der Eindruck eines umfangreicheren Charakters. Das erste aktive Zugehen ist dabei dem/der menschlichen Interakteur_in vorbehalten – er oder sie bleibt zunächst stehen und initiiert auch die Berührung durch die Scheibe.

 

Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie führten notwendigerweise zu einer gesteigerten Offenheit gegenüber neuen Technologien und Bereitschaft, sich mit ihnen „anzufreunden“. Auch die Bedeutung sozialer Roboter bekam durch die Herausforderungen infolge der Pandemie, wie Einsamkeit, Berührungsarmut und auch Hygiene wieder neue Aufmerksamkeit. Contact nutzt diese aktuelle Offenheit und bietet ein Interaktionsnarrativ für ein erstes In-Berührung-Kommen zweier Körper, wie sie sich in nicht allzu ferner Zukunft wahrscheinlich noch vielerorts begegnen werden.

 

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Kooperationen/Team: 

Umgesetzt in Kooperation mit Creative Robotics (UFG Linz).