Data Safe

Data Safe ist eine datengesteuerte, interaktive, audiovisuelle Installation von Ninja Guru Studio, die zentrale Fragen zum Datenschutz, zur Anwendung von Überwachungssystemen und der Nutzung des menschlichen Körpers zur Datenerzeugung aufwirft, indem sie den Einsatz derartiger Überwachungssysteme rund um den Ausstellungsraum imitiert.

Data Safe erfasst die Bewegungen der Passant_innen im Außenbereich des Ausstellungsraumes mit Hilfe von Mikrowellensensoren. In einer überwachten Zone (Haltestellenbereich) werden diese Daten in Echtzeit visualisiert, in einer anderen Zone (Trauttmansdorffgasse) entsteht eine mehrkanalige Klangumgebung, die die Passant_innen begleitet.

Data Safe stellt das Spannungsfeld zwischen Privatsphäre und Datennutzung von Konzernen und Regierungen zur Diskussion. Beispielsweise setzte die Stadt Chongqing im Jahr 2019 über 2,58 Millionen Überwachungskameras, Gesichtserkennungssysteme und ähnliches ein, die 15,35 Millionen Menschen erfassten. In China verwendet die Regierung private Daten von Überwachungskameras, Gesichtserkennungssystemen, Versicherungen, Krankenkassen, Bankkonten, Zahlungssystemen, Kundenkarten etc., um ein Sozialkredit-System zu erstellen, das Zugang und Berechtigungen zu Stadtbezirken, Bildungseinrichtungen, Krediten, Wohnungen u.a. erteilt bzw. entzieht.

Data Safe ist gleichzeitig auch ein geschlossener Raum, eine sichere Umgebung, in der die Daten sicher anonym aufbewahrt werden.

 

Die Frage der Privatsphäre wurde erstmals 1891 von den amerikanischen Juristen Samuel Warren und Louis Brandeis aufgeworfen und war stark von der Entwicklung von Technologien beeinflusst. Die Frage der Verwendung personenbezogener Daten wurde 1967 von Alan Westin aufgeworfen, als er eine umfassendere Definition von Privatsphäre in der modernen Welt gab. Jan Holvast erwähnt in seinem Aufsatz "History of Privacy" Folgendes: "Die Geschichte des Datenschutzes macht deutlich, dass es eine enge Beziehung zwischen der Privatsphäre und der Entwicklung der Technologie gibt.“

 

Heutzutage werden Daten ständig von IT-Systemen bereitgestellt - angefangen bei offensichtlichen und sichtbaren wie Laptops, Handys, Smartwatches, bis hin zu subtileren, wie intelligenten Sensoren, die in Räumen, Möbeln und Gegenständen des täglichen Lebens angebracht sind. Diese Daten können in bestimmten Situationen und Anwendungen wirklich nützlich sein (Verwendung von Daten zur Beobachtung des Gesundheitszustands einer Person), diese meist sensiblen Daten können allerdings auch verwendet werden, um das Verhalten und die spezifischen Bedürfnisse der Nutzer*innen zu beobachten und zu beeinflussen (heute meist für kommerzielle Zwecke um Kund*innen gezielt anzusprechen und ihnen die Waren zu liefern, die sie benötigen).

Die Debatte über Datenschutzgesetze ist auch heute ein aktuelles Diskussionsthema. Das Festlegen von spezifischen Regeln bezüglich des Datenschutzes und die Überwachung von bestimmten Technologien ist eine Schwierigkeit für sich.

Die Installation hinterfragt die Themen Privatsphäre und Datennutzung, indem sie den Einsatz derartiger Überwachungssysteme rund um den Ausstellungsraum imitiert.