MEIN KOERPER : MEINE MASCHINE

Laufzeit: 

01/09/2022 bis 30/11/2022

Eröffnung: 

Donnerstag, 1. September 2022 - 19:00

Wie sehr ist mein Körper noch mein Körper, sofern er es je war?

Der menschliche Körper dient als Angriffsfläche der Macht, um einerseits auf das Subjekt, andererseits auf die gesamte Gesellschaft zuzugreifen, konstatiert Michel Focault und beschreibt das wechselseitige Verhältnis von Nützlichkeit und Gefügigkeit des Körpers in einer Politik der Zwänge, der menschliche Körper geht in eine Verwertungsmaschinerie ein. Heute sind es vorallem die grossen Konzerne und Internetplattformen, die ihre Macht längst nicht nur mehr in ökonomischer Hinsicht ausüben und weiter ausbauen.

Nur allzu gerne zur Selbstkontrolle bereit, trainieren, reparieren, rehabilitieren, modellieren, verschönern und technisieren wir unseren Körper durch Kosmetik, Fitnessprogramme, Präparate und Medikamente, chirurgische Eingriffe, Prothesen, Implantate, Computer-Brain-Interfaces und andere technische Erweiterungen. Der Aufwand und die Ergebnisse der Selbst-Optimierung werden dabei ständig von verschiedensten Programmen und Anwendungen erfasst und die Daten freiwillig den Mega-Konzernen meist kritiklos zur Verfügung gestellt. Unter deren Einfluss steigt der Druck, eigenverantwortlich in unser „Körperkapital“ zu investieren, die Nichtbefolgung wird mit Sanktionen bedacht.

Nicht nur zur Zeit des Futurismus waren die Modelle des Maschinenmenschen noch mit Verheissungen und vermeintlich positiven Erwartungen verknüpft, auch am Beginn des Internets und den damit verbundenen Möglichkeiten eines virtuellen Körpers, eines virtuellen Lebens z.B. in Form eines Avatares im Second Life, gab es die Hoffnung, biografische, kulturelle, sexuelle und soziologische Festschreibungen zu überwinden. Unterdessen wissen wir, wie sehr Normen, Vorurteile, Rassismen, Sexismen, etc., eingeschrieben in Algorithmen, ihren Einfluss auf Körper (besonders auf den weiblichen), ob in der Inszenierung in den Social-Media-Plattformen oder auf den virtuellen Körper im Netz, ausüben.

Ist es die euphorische Vision des Google-Programm-Entwicklers Ray Kurzweil, der behauptet, dass die Menschheit mit Hilfe von Biotechnologie und künstlicher Intelligenz ihre biologischen Grenzen, also Verfall und Tod des Körpers, im Jahr 2045 überwunden haben wird – oder sind wir schon längst dabei unsere physische Existenz aufzugeben, im Sinne von Paul Virilio, demnach unsere stillgelegten Körper nur mehr Hüllen unseres Selbst sind, digitale Interfaces, das Sein als ein ständiges Online-Sein in einem nie endenden Datenstrom?