Distrust; in purple

Du begegnest einem neuen Wesen, so wie es Dir begegnet.
Misstrauen wird zu Vertrauen. [Harriet Davey]

In einer Welt, in der uns Menschen nur mit geschönten Gesichtern aus Formaten wie Instagram, TikTok, Snapchat, Be Real begegnen und Algorithmen automatisch Filter über Selfie-Videos legen, die einer sehr engen Norm (große Augen, schmale Nase, hohe Wangenknochen etc.) entsprechen, wird der Druck, diesen Schönheitsvorstellungen zu entsprechen, immer stärker. Ging es früher bei Schönheitsoperationen hautpsächlich um verjüngtes Aussehen, ist es heute die individuelle Anpassung von Gesichtern und Körpern an die bearbeiteten und geschönten Selfies. Die Auflehnung gegen diese genormte Ästhetik wird nicht nur größer, sondern in ihrer Ausdrucksform auch radikaler. Dazu gehört eine neue Generation von Künstler_innen, die das menschliche Erscheinungsbild in diesen Formaten nicht nur hinterfragt, sondern auf völlig andere Weise neu interpretiert.

Harriets typischer glänzender, außerirdisch anmutender Stil der digitalen 3D-Grafik hat sich aus jahrelangen Experimenten entwickelt. Ursprünglich studierte sie Grafikdesign, merkte aber schnell, dass die kreative Sprache, die einem Designer zur Verfügung steht - wie Raster, Layouts und Typografie - nicht zu ihrem persönlichen Prozess passte. "Am Anfang habe ich meine Arbeit einfach in die Welt hinausgeworfen, wohl wissend, dass sie in keiner Weise ausgefeilt, technisch ausgereift oder gar gut war, aber das machte mich weniger wertvoll für meine Arbeit", erzählt Harriet It's Nice That. "Und weil ich in den ersten zwei Jahren fast schon wahnhaft mit allem angegeben habe, schienen die Leute den Eindruck zu haben, dass ich viel etablierter war, als ich wirklich war. Ich bin eine große Befürworterin dessen, etwas so lange zu versuchen, bis man es schafft!"

 

In ihren Arbeiten wie auch in ihrer Dissertation setzt sich sie mit den Auswirkungen von AR-Filtern in Smartphoneanwendungen speziell auf Jugendliche und deren Körperbilder auseinander.